Lerntheorien lernen mit Karteikarten: Konditionierung, Kognition, Soziales Lernen
Lerntheorien erklären, wie Organismen durch Erfahrung ihr Verhalten dauerhaft verändern. Behaviorismus (Pawlow, Skinner) betont beobachtbares Verhalten durch Reiz-Reaktions-Kopplungen. Kognitive Theorien (Tolman, Bandura) berücksichtigen mentale Prozesse. Für das Studium sind experimentelle Befunde und kritische Einordnung der Theorien zentral.
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Lerntheorien für das Psychologiestudium
Lerntheorien sind keine historischen Artefakte, sondern Grundlage klinischer Interventionen (Verhaltenstherapie), Pädagogik und KI-Forschung (Reinforcement Learning). Prüfungsrelevant sind Unterschiede, Experimente und Grenzen jeder Theorie.
- Klassische Konditionierung (Pawlow): Ein neutraler Stimulus (NS) wird durch wiederholte Kopplung mit einem unkonditionierten Stimulus (UCS) selbst zu einem konditionierten Stimulus (CS), der eine konditionierte Reaktion (CR) auslöst. Schlüsselprozesse: Akquisition, Extinktion, Spontanerholung, Generalisierung, Diskrimination.
- Operante Konditionierung (Skinner): Verhalten wird durch Konsequenzen gestärkt (Verstärkung) oder geschwächt (Bestrafung). Positive Verstärkung: Reiz hinzufügen. Negative Verstärkung: aversiven Reiz entfernen. Bestrafung I: aversiven Reiz hinzufügen. Bestrafung II: positiven Reiz entfernen. Verstärkerpläne (kontinuierlich vs. intermittierend) beeinflussen Löschungsresistenz.
- Kognitives Lernen: Tolmans latentes Lernen: Ratten lernen Labyrinthstrukturen ohne Belohnung, zeigen Wissen wenn Motivation vorhanden (kognitive Karte). Einsichtslernen (Köhler): Schimpansen lösen Probleme durch plötzliche Umstrukturierung (Aha-Erlebnis). Erwartungslernen.
- Soziales Lernen (Bandura): Lernen durch Beobachtung eines Modells. Vier Prozesse: Aufmerksamkeit, Behalten (Gedächtnis), Reproduktion (motorische Ausführung), Motivation (Erwartung der Konsequenzen). Selbstwirksamkeit (self-efficacy) als zentrale Stellgröße. Bobo-Doll-Experiment (1961).
- Kritische Einordnung: Behaviorismus ignoriert kognitive Prozesse und Biologie. Kognitiver Behaviorismus (Bandura, Beck) integriert beide. Neuronale Korrelate: dopaminerges Belohnungssystem als biologisches Substrat operanter Konditionierung. Präparations-Konditionierbarkeit (biologische Barrieren: leichter Aversionskonditioni bei natürlichen Paarungen).
Alle Karten in diesem Set
| Vorderseite | Rückseite |
|---|---|
| Was ist Lernen in der Psychologie? | Eine relativ überdauernde Veränderung des Verhaltens oder Verhaltenspotenzials, die auf Erfahrung zurückzuführen ist (nicht auf Reifung, Ermüdung oder Adaptation). Definition nach Zimbardo & Gerrig. |
| Was ist klassische Konditionierung? Nenne die Kernbegriffe. | Erwerb einer neuen Reiz-Reaktions-Verknüpfung. UCS (unkonditionierter Stimulus) → UCR. UCS + NS (neutraler Stimulus) wiederholt gepaart → NS wird CS (konditionierter Stimulus) → CR (konditionierte Reaktion). Pawlows Hund: Futter (UCS) + Glocke (NS) → Glocke alleine (CS) → Speichelfluss (CR). |
| Was ist Extinktion in der klassischen Konditionierung? | Wenn der CS wiederholt ohne UCS präsentiert wird, schwächt die CR ab und erlischt. Extinction ist kein Vergessen, sondern aktive Hemmung: Spontanerholung (spontaneous recovery) nach Pause zeigt, dass ursprüngliche Assoziation erhalten geblieben ist. |
| Was ist Reizgeneralisierung? | Reaktionen auf dem CS ähnliche Reize (obwohl nicht konditioniert). Beispiel: Kleiner Albert (Watson) wurde auf weißes Fell konditioniert und reagierte auch auf Watte, weiße Haare. Gegenteil: Reizdiskrimination (Unterscheidung zwischen CS und ähnlichem Nicht-CS). |
| Was ist operante Konditionierung (Skinner)? | Verhaltensmodifikation durch Konsequenzen: Verhalten, das positive Konsequenzen hat, wird häufiger gezeigt (Verstärkung). Verhalten mit negativen Konsequenzen wird seltener. Grundlage: Thorndikes Gesetz des Effekts. Skinner-Box als Standardexperiment. |
| Was ist der Unterschied zwischen positiver und negativer Verstärkung? | Positive Verstärkung: angenehmer Reiz wird hinzugefügt (Lob, Belohnung). Negative Verstärkung: aversiver Reiz wird entfernt oder vermieden (Schmerzmittel hebt Kopfschmerz auf → Einnahme verstärkt). Beide erhöhen Verhaltenswahrscheinlichkeit. |
| Was sind Verstärkerpläne und welcher ist löschungsresistenter? | Kontinuierlich: jede Reaktion verstärkt (schnelles Lernen, schnelle Extinktion). Intermittierend: nur manche Reaktionen verstärkt. Variable Quoten-Plan (VR): stärkste Löschungsresistenz (wie Glücksspiel), hohe konstante Reaktionsrate. FR (fixed ratio): kurze Pause nach Verstärker. |
| Was ist latentes Lernen (Tolman)? | Lernen ohne offensichtliche Verstärkung oder Verhaltensänderung. Ratten, die ein Labyrinth ohne Belohnung erkundeten, lernten eine kognitive Karte. Als Belohnung eingeführt wurde, zeigten sie sofort überlegene Leistung. Belegt kognitive Repräsentationen auch ohne behavioristische Verstärkung. |
| Was ist Einsichtslernen (Köhler)? | Plötzliche Lösung eines Problems durch Umstrukturierung der Wahrnehmung (Aha-Erlebnis), nicht durch schrittweises Probieren. Köhlers Schimpansen kombinierten Stöcke, um Banane zu erreichen. Belegt, dass Tiere kognitive Problemlösungsprozesse nutzen. |
| Was ist Beobachtungslernen (Bandura)? | Lernen durch Beobachtung eines Modells, ohne eigene direkte Erfahrung. Vier Prozesse: Aufmerksamkeitsprozesse (Modell beobachten), Gedächtnisprozesse (Verhalten enkodieren), motorische Reproduktion, Motivationsprozesse (erwartete Konsequenzen). |
| Was zeigte Banduras Bobo-Doll-Experiment (1961)? | Kinder, die ein aggressives Modell gegenüber einer Bobo-Puppe beobachteten, zeigten selbst mehr Aggression, auch ohne eigene Verstärkung. Stellvertretende Verstärkung (Modell wurde belohnt) erhöhte Imitation. Belegt Lernen durch Beobachtung ohne direkte Konsequenzen. |
| Was ist Selbstwirksamkeit (self-efficacy, Bandura)? | Die subjektive Überzeugung, eine bestimmte Aufgabe erfolgreich ausführen zu können. Hohe Selbstwirksamkeit erhöht Anstrengung, Ausdauer, Zielwahl. Quellen: eigene Erfolge (Enactive mastery), Beobachtung ähnlicher Modelle, verbale Überzeugung, physiologischer Zustand. |
| Was ist Preparedness (biologische Konditionierbarkeit)? | Organismen konditionieren leichter auf biologisch relevante Stimulus-Reaktions-Paare (preparedness). Beispiel: Menschen entwickeln leichter Phobien vor Schlangen/Spinnen als vor Blumen (biologisch adaptive Vorbereitung), obwohl statistische Gefährlichkeit umgekehrt sein kann. |
| Was ist aversive Konditionierung? | Verknüpfung eines aversiven (unangenehmen) UCS mit einem Verhalten oder Reiz, um Vermeidungsverhalten zu erzeugen. Anwendung in Verhaltenstherapie (z.B. Alkoholvergiftung + Alkohol bei Suchttherapie). Ethisch umstritten. |
| Was ist der Unterschied zwischen Reizsubstitutionstheorie und Informationstheorie der klass. Konditionierung? | Reizsubstitution (Pawlow): CS substituiert UCS, löst identische Reaktion aus. Informationstheorie (Rescorla): CS ist informativer Prädiktor des UCS (Kontingenz, nicht nur Kontiguität). Blockierungseffekt (Kamin) belegt Informationstheorie: schon prädiktiver Stimulus blockiert Konditionierung eines neuen. |
| Was ist das Prinzip der kognitiven Karte (Tolman)? | Interne mentale Repräsentation räumlicher und nicht-räumlicher Beziehungen, die flexible Orientierung und Umwegverhalten ermöglicht. Nicht auf behavioristische S-R-Ketten reduzierbar. Neuronales Substrat: Hippocampus-Ortszellen (Place Cells, O'Keefe, Moser, Nobelpreis 2014). |
| Was ist Modellernen nach Bandura und wie unterscheidet es sich von Imitationslernen? | Modellernen schließt auch abstrakte Regeln und Strategien ein, nicht nur direkte motorische Imitation. Beobachter extrahieren Prinzipien aus Modellverhalten und wenden sie kreativ auf neue Situationen an. Imitationslernen: einfache Verhaltenskopie ohne Regelabstraktion. |
| Was ist das Gesetz des Effekts (Thorndike)? | Verhalten, das zu einer befriedigenden Situation führt, wird häufiger, Verhalten das zu einem unangenehmen Zustand führt, seltener. Basis des operanten Konditionierens. Ursprung: Katzen in Problemboxen, die per Zufallsverhalten Hebel betätigen lernten. |
| Was ist der Unterschied zwischen Strafe I und Strafe II in der operanten Konditionierung? | Strafe I (positive Punishment): aversiver Reiz wird nach Verhalten hinzugefügt (Schlag, Tadel) → Verhalten wird seltener. Strafe II (negative Punishment, Response Cost): angenehmer Reiz wird entfernt (Entzug von Privilegien) → Verhalten wird seltener. |
| Was ist Shaping (Verhaltensformung)? | Systematische Verstärkung von Verhaltensannäherungen an ein Zielverhalten. Ausgangspunkt: ein vorhandenes Verhalten, das dem Ziel ähnelt. Schrittweise werden genauere Annäherungen verstärkt, entferntere nicht mehr. Methode zur Aufbau komplexer Verhaltensrepertoires (z.B. Tierdressur, Verhaltenstherapie). |
Häufige Fragen
Was ist der Hauptunterschied zwischen klassischer und operanter Konditionierung?
Klassische Konditionierung: respondentes Verhalten (reflexartig, unwillkürlich) wird durch Stimuluspaarung konditioniert. Operante Konditionierung: operantes (willkürliches) Verhalten wird durch seine Konsequenzen geformt. Bei klassischer Konditionierung kontrolliert der Stimulus das Verhalten, bei operanter die Konsequenz.
Warum ist intermittierende Verstärkung löschungsresistenter als kontinuierliche?
Bei kontinuierlicher Verstärkung erwartet der Organismus immer eine Belohnung; ausbleibendes Feedback signalisiert klar, dass Extinction stattfindet. Bei intermittierender Verstärkung ist Ausbleiben der Belohnung Teil des gewohnten Musters, daher wird Extinction langsamer erkannt.
Wie fließen Lerntheorien in die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ein?
KVT kombiniert verhaltenstherapeutische Techniken (Exposition/Extinktion aus klassischer Konditionierung, operantes Shaping) mit kognitiver Umstrukturierung (Ellis, Beck). Exposititionstherapie bei Phobien basiert direkt auf Extinktionsprinzip; Verhaltensaktivierung bei Depression auf operanter Verstärkung.