Glossar: Lernen mit Karteikarten
Die wichtigsten Begriffe rund um Spaced Repetition, Lernpsychologie und Karten-Gestaltung, kurz und verständlich erklärt. Vertiefende Ratgeber sind direkt verlinkt.
- Spaced Repetition
- Lernmethode, bei der Inhalte in wachsenden Zeitabständen wiederholt werden, kurz bevor man sie vergisst. Verteilt die Wiederholungen über Tage und Wochen statt sie in einer Sitzung zu massieren. → Ratgeber: Spaced Repetition
- Vergessenskurve
- Von Hermann Ebbinghaus 1885 beschriebener Verlauf, der zeigt, wie schnell Gelerntes ohne Wiederholung verfällt. Nach 24 Stunden sind oft schon rund 50 Prozent nicht mehr abrufbar. → Ratgeber: Vergessenskurve
- Aktives Erinnern (Active Recall)
- Das aktive Abrufen einer Antwort aus dem Gedächtnis, statt sie nur erneut zu lesen. Der Abrufakt selbst stärkt die Gedächtnisspur stärker als passives Wiederlesen. → Ratgeber: Testing-Effekt
- Testing-Effekt
- Der Befund, dass das Abfragen von Wissen (Testen) das Langzeitgedächtnis stärker festigt als wiederholtes Lesen. Karteikarten nutzen diesen Effekt systematisch.
- SM-2
- Spaced-Repetition-Algorithmus von Piotr Wozniak (SuperMemo, 1987). Berechnet das nächste Wiederholungsintervall aus einem Ease-Factor und der Bewertung, wie gut eine Karte erinnert wurde. Grundlage vieler Lern-Apps. → Ratgeber: SM-2 vs. FSRS vs. Leitner
- FSRS
- Free Spaced Repetition Scheduler, ein modernes Modell, das Wiederholungsintervalle auf Basis von Gedächtnis-Stabilität und Abrufwahrscheinlichkeit plant. Datengetriebener und meist effizienter als SM-2.
- Leitner-System
- Analoges Karteikasten-System mit mehreren Fächern. Richtig beantwortete Karten wandern ein Fach weiter und werden seltener abgefragt, falsche rutschen zurück. Mechanische Form der Spaced Repetition.
- Ease-Factor
- Faktor in SM-2, der angibt, wie stark das Intervall einer Karte nach korrekter Antwort wächst. Schwierige Karten bekommen einen niedrigeren Ease-Factor und kürzere Abstände.
- Wiederholungsintervall
- Zeitspanne bis zur nächsten Abfrage einer Karte. Wächst bei jeder erfolgreichen Wiederholung, etwa von einem Tag auf drei Tage, eine Woche, einen Monat.
- Cloze-Deletion (Lückentext)
- Kartentyp, bei dem ein Schlüsselwort in einem Satz ausgeblendet wird. Der Kontext bleibt sichtbar, nur die Lücke muss ergänzt werden. Gut für Definitionen und Fakten im Zusammenhang. → Ratgeber: Karteikarten richtig schreiben
- Atomare Karte
- Karteikarte mit genau einer Frage und einer Antwort. Atomare Karten sind leichter zu bewerten und zu wiederholen als überladene Karten mit mehreren Fakten.
- Minimum-Information-Prinzip
- Regel von SuperMemo: Formuliere Karten so einfach wie möglich. Je kleiner die Informationseinheit, desto zuverlässiger der Abruf und desto präziser die Bewertung.
- Interleaving
- Verschränktes Üben verschiedener Themen oder Aufgabentypen in einer Sitzung statt blockweisem Lernen. Erhöht die Unterscheidungsfähigkeit und den Lerntransfer.
- Desirable Difficulties
- Von Robert Bjork geprägter Begriff für Lernbedingungen, die kurzfristig anstrengend wirken, aber das Langzeitlernen verbessern, etwa Abruf unter Aufwand oder verteiltes Üben.
- Elaboration
- Verknüpfung neuer Inhalte mit bereits Bekanntem durch eigene Erklärungen, Beispiele oder Warum-Fragen. Tiefere Verarbeitung führt zu stabilerem Gedächtnis.
- Dual Coding
- Kombination von Sprache und Bild. Inhalte, die sowohl verbal als auch visuell kodiert werden, lassen sich besser behalten. Bilder auf Karteikarten nutzen diesen Effekt.
- Chunking
- Bündeln einzelner Informationen zu größeren, bedeutungsvollen Einheiten. Reduziert die Belastung des Arbeitsgedächtnisses, etwa beim Merken von Zahlenfolgen.
- Mnemotechnik
- Sammelbegriff für Merkstrategien wie Eselsbrücken, die Loci-Methode oder Akronyme. Sie schaffen zusätzliche Abrufanker für schwer merkbare Inhalte.
- Enkodierung
- Der Prozess, mit dem Wahrnehmungen in eine speicherbare Gedächtnisspur überführt werden. Wie gut etwas enkodiert wird, beeinflusst den späteren Abruf.
- Retention
- Behaltensleistung, also der Anteil des Gelernten, der nach einer bestimmten Zeit noch abrufbar ist. Spaced Repetition zielt darauf, die Retention bei minimalem Aufwand hoch zu halten.
- Abrufstärke
- Maß dafür, wie leicht ein Inhalt aktuell aus dem Gedächtnis geholt werden kann. Sinkt mit der Zeit, wird durch jede Wiederholung kurzfristig wieder angehoben.
- Lernplan
- Strukturierte Aufteilung des Stoffs auf den verfügbaren Zeitraum mit festen Wiederholungsterminen. Verhindert das Lernen auf den letzten Drücker. → Ratgeber: Lernplan erstellen
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