Strafrecht Grundbegriffe – Karteikarten Jurastudium
Das Strafrecht baut auf dem dreistufigen Verbrechensaufbau auf: Tatbestandsmäßigkeit, Rechtswidrigkeit und Schuld. Diese Karteikarten vermitteln die zentralen Begriffe des materiellen Strafrechts aus dem Allgemeinen Teil des StGB (§§ 1–79 StGB) und die prüfungsrelevanten Definitionen für Klausuren.
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Strafrecht Allgemeiner Teil: Der Verbrechensaufbau
Jede Strafrechtsklausur folgt dem gleichen dreigliedrigen Prüfungsschema. Wer dieses Schema verinnerlicht, hat ein stabiles Gerüst für jede Fallbearbeitung.
- Ebene 1 – Tatbestand: Ist der Tatbestand (objektiv + subjektiv) erfüllt? Objektiver Tatbestand: Handlung, Kausalität, Zurechnung, Erfolg. Subjektiver Tatbestand: Vorsatz (§ 15 StGB), ggf. besondere Absichten.
- Ebene 2 – Rechtswidrigkeit: Liegt ein Rechtfertigungsgrund vor? Notwehr (§ 32 StGB), rechtfertigender Notstand (§ 34 StGB), Einwilligung, Festnahmerecht (§ 127 StPO). Prüfe Rechtfertigungsgründe erst, wenn Tatbestand (+) ist.
- Ebene 3 – Schuld: Ist dem Täter die Tat vorzuwerfen? Schuldfähigkeit (§§ 19, 20 StGB), Unrechtsbewusstsein, Schuldausschlussgründe (§ 35 StGB entschuldigender Notstand), Entschuldigungsgründe.
- Täterschaft und Teilnahme: Täterschaft (§§ 25–27 StGB): unmittelbare Täterschaft, mittelbare Täterschaft, Mittäterschaft. Teilnahme: Anstiftung (§ 26 StGB), Beihilfe (§ 27 StGB). Akzessorietät der Teilnahme.
Prüfungs-Tipp: Irrtumslehre ist ein Dauerklassiker. Unterscheide Tatbestandsirrtum (§ 16 StGB, schließt Vorsatz aus) vom Verbotsirrtum (§ 17 StGB, schließt Schuld aus). Die Irrtumslehre ist in jeder zweiten Klausur relevant.
Alle Karten in diesem Set
| Vorderseite | Rückseite |
|---|---|
| Was ist der dreistufige Verbrechensaufbau? | Tatbestandsmäßigkeit (objektiver + subjektiver TB), Rechtswidrigkeit (keine Rechtfertigungsgründe), Schuld (Vorwerfbarkeit). Nur wenn alle drei Stufen (+): strafbare Tat. |
| Was ist Vorsatz nach § 15 StGB? | Vorsatz = Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung. Formen: Dolus directus 1. Grades (Absicht), Dolus directus 2. Grades (sicheres Wissen), Dolus eventualis (billigende Inkaufnahme des Erfolgs). |
| Was ist der Unterschied zwischen Dolus eventualis und bewusster Fahrlässigkeit? | Dolus eventualis: Täter hält den Erfolgseintritt für möglich und nimmt ihn billigend in Kauf ("Es wäre mir egal"). Bewusste Fahrlässigkeit: Täter hält Erfolg für möglich, vertraut aber auf sein Ausbleiben ("Wird schon gut gehen"). |
| Was ist ein Tatbestandsirrtum nach § 16 StGB? | Wer bei Begehung der Tat einen Umstand nicht kennt, der zum gesetzlichen Tatbestand gehört, handelt nicht vorsätzlich (§ 16 Abs. 1 S. 1 StGB). Fahrlässige Strafbarkeit bleibt nach § 16 Abs. 1 S. 2 StGB möglich, wenn ein entsprechender Fahrlässigkeitstatbestand besteht. |
| Was ist Notwehr nach § 32 StGB? | § 32 StGB: Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig. Notwehr = Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden. |
| Was ist der Unterschied zwischen Rechtfertigungsgrund und Schuldausschlussgrund? | Rechtfertigungsgrund (z.B. Notwehr): beseitigt die Rechtswidrigkeit; die Tat ist erlaubt. Schuldausschlussgrund (z.B. § 35 StGB): die Tat bleibt rechtswidrig, ist aber dem Täter nicht vorwerfbar; er wird nicht bestraft. |
| Was ist Fahrlässigkeit im Strafrecht? | Fahrlässig handelt, wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt und dadurch einen tatbestandlichen Erfolg verursacht, den er bei gehöriger Sorgfalt hätte voraussehen und vermeiden können. Strafbar nur bei ausdrücklicher Normierung (§ 15 StGB). |
| Was ist mittelbare Täterschaft nach § 25 Abs. 1 Alt. 2 StGB? | Der Täter begeht die Tat durch einen anderen, den er als Werkzeug benutzt. Das Werkzeug handelt ohne Vorsatz (Tatbestandsirrtum), schuldlos oder ist anderweitig steuerbar. Der Hintermann wird wie ein unmittelbarer Täter bestraft. |
| Was ist Mittäterschaft nach § 25 Abs. 2 StGB? | Begehen mehrere gemeinschaftlich eine Straftat, so wird jeder als Täter bestraft. Voraussetzungen: gemeinsamer Tatplan und gemeinschaftliche Tatausführung (funktionelle Tatherrschaft). Jeder Mittäter haftet für das Ganze. |
| Was ist der Verbotsirrtum nach § 17 StGB? | Fehlt dem Täter bei Begehung der Tat die Einsicht, Unrecht zu tun (Unrechtsbewusstsein), handelt er ohne Schuld, wenn er diesen Irrtum nicht vermeiden konnte. Vermeidbarer Verbotsirrtum: Strafmilderung möglich (§ 17 S. 2 StGB). |
| Was ist Beihilfe nach § 27 StGB? | Wer vorsätzlich einem anderen zu dessen vorsätzlich begangener rechtswidriger Tat Hilfe leistet, wird als Gehilfe bestraft (§ 27 Abs. 1 StGB). Strafmilderung obligatorisch: § 27 Abs. 2 S. 2 i.V.m. § 49 Abs. 1 StGB. |
| Was ist die Akzessorietät der Teilnahme? | Teilnahme (Anstiftung, Beihilfe) ist akzessorisch: Sie setzt eine tatbestandsmäßige und rechtswidrige Haupttat voraus (limitierte Akzessorietät). Schuld des Haupttäters ist nicht erforderlich (§§ 26, 27 StGB). |
| Was ist ein Amtsdelikt? | Straftaten, die nur von Amtsträgern begangen werden können (z.B. Bestechlichkeit § 332 StGB, Körperverletzung im Amt § 340 StGB). Amtsträger: § 11 Abs. 1 Nr. 2 StGB. |
| Was bedeutet "nullum crimen sine lege" und wo ist es geregelt? | Art. 103 Abs. 2 GG, § 1 StGB: Keine Strafe ohne Gesetz. Verbot der Analogie zu Lasten des Täters, Rückwirkungsverbot, Bestimmtheitsgebot. Grundprinzip des Rechtsstaats im Strafrecht. |
| Was ist ein Erfolgsdelikt? | Straftat, bei der zur Tathandlung ein von ihr räumlich-zeitlich getrennter Außenwelterfolg gehört (z.B. Totschlag § 212 StGB: Handlung + Tod des Menschen). Gegenteil: Tätigkeitsdelikt (Strafe allein wegen der Handlung, z.B. Hausfriedensbruch). |
| Was ist das Rücktrittsprivileg nach § 24 StGB? | Wegen Versuchs wird nicht bestraft, wer freiwillig die weitere Ausführung der Tat aufgibt oder ihren Erfolg verhindert (§ 24 StGB). Voraussetzung: Freiwilligkeit. Kein Rücktritt, wenn Tatverhinderung unmöglich ist oder Vollendung bereits eingetreten. |
| Was ist ein Sonderdelikt? | Straftaten, die nur von Personen mit einem besonderen Merkmal begangen werden können. Echte Sonderdelikte: Täterqualifikation begründet die Strafbarkeit (z.B. Untreue § 266 StGB – Pflichtverletzung). Unechte Sonderdelikte: qualifizieren oder privilegieren die Strafe. |
| Was ist der entschuldigende Notstand nach § 35 StGB? | § 35 StGB: Wer in einer gegenwärtigen Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit handelt, um die Gefahr von sich, einem Angehörigen oder einer nahestehenden Person abzuwenden, handelt ohne Schuld. Die Tat bleibt rechtswidrig. |
| Wie ist Versuch nach § 22 StGB definiert? | § 22 StGB: Eine Straftat versucht, wer nach seiner Vorstellung von der Tat zur Verwirklichung des Tatbestandes unmittelbar ansetzt. Grenze zwischen Vorbereitung (straflos) und Versuch (strafbar): unmittelbares Ansetzen. |
| Was ist die Garantenstellung beim unechten Unterlassungsdelikt? | § 13 StGB: Wer es unterlässt, einen tatbestandlichen Erfolg abzuwenden, ist strafbar, wenn er rechtlich dafür einzustehen hat und das Unterlassen der Verwirklichung durch ein Tun entspricht. Garanten: aus Gesetz, Vertrag, vorangegangenem gefährlichen Tun (Ingerenz), enger Lebensgemeinschaft. |
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Vergehen und Verbrechen im StGB?
Verbrechen (§ 12 Abs. 1 StGB): Mindeststrafe 1 Jahr Freiheitsstrafe (z.B. Mord, Raub). Vergehen (§ 12 Abs. 2 StGB): Mindeststrafe unter 1 Jahr oder Geldstrafe (z.B. Diebstahl, Körperverletzung). Der Unterschied ist wichtig für Versuchsstrafbarkeit und Teilnahme.
Welche Lehrbücher sind für Strafrecht AT im Studium empfohlen?
Klassiker: Roxin/Greco "Strafrecht AT Band I" (komplex, wissenschaftlich), Wessels/Beulke/Satzger "Strafrecht AT" (klausurorientiert), Rengier "Strafrecht AT" (kompakt, klar strukturiert). Für den Einstieg: Hemmer/Wüst-Skripte.
Wie prüfe ich Notwehr in der Klausur?
Schema: 1. Notwehrlage: gegenwärtiger, rechtswidriger Angriff auf eigene oder fremde Rechtsgüter. 2. Notwehrhandlung: Verteidigungshandlung, die erforderlich und geboten ist. 3. Verteidigungswille (subjektives Notwehrelement). Notwehrexzess: §§ 32, 33 StGB.