Rechtsformen von Unternehmen: Karteikarten für Ausbildung und BWL
Die Rechtsform eines Unternehmens bestimmt Haftung, Leitungsbefugnis, Finanzierungsmöglichkeiten und steuerliche Behandlung. Die Wahl der richtigen Rechtsform ist eine der wichtigsten Gründungsentscheidungen. Für kaufmännische Prüfungen ist das systematische Verständnis der wichtigsten Formen Pflicht.
Direkt loslernen
Lade alle 20 Karten mit einem Klick in den Lern-Modus, mische sie, lerne online oder drucke sie als PDF.
Drei Hauptkategorien
Deutsche Unternehmensrechtsformen lassen sich in drei Gruppen einteilen: Einzelunternehmen (ein Eigentümer, volle Haftung, einfach), Personengesellschaften (mehrere Gesellschafter, persönliche Haftung mindestens eines, keine Mindesteinlage) und Kapitalgesellschaften (Haftung auf Einlage begrenzt, Mindestkapital, aufwendiger).
Haftung als Hauptunterschied
- Unbegrenzte persönliche Haftung: Einzelunternehmer, OHG-Gesellschafter, GbR-Gesellschafter, Komplementär in KG
- Begrenzte Haftung: GmbH-Gesellschafter (bis zur Einlage), AG-Aktionäre (bis zum Aktienwert), Kommanditist in KG (bis zur Kommanditeinlage)
Lernstrategie: Vergleichstabelle
Erstelle eine Tabelle mit den Rechtsformen als Spalten und den Kriterien als Zeilen: Mindestkapital, Mindestgesellschafterzahl, Haftung, Leitungsbefugnis, Gewinnverteilung, Buchführungspflicht, Eintrag ins Handelsregister. Diese Tabelle deckt alle Prüfungsfragen ab.
Alle Karten in diesem Set
| Vorderseite | Rückseite |
|---|---|
| Was ist ein Einzelunternehmen? | Ein Unternehmen mit einem einzigen Eigentümer, der alle Entscheidungen trifft und mit seinem gesamten Privatvermögen haftet. Kein Mindestkapital, kein HR-Eintrag erforderlich (außer Kaufmann nach § 1 HGB). Einfachste Rechtsform. |
| Was ist eine GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts)? | Personengesellschaft nach §§ 705 ff. BGB. Mindestens 2 Gesellschafter. Alle haften unbeschränkt persönlich und gesamtschuldnerisch. Kein Mindestkapital, kein HR-Eintrag erforderlich. Typisch für Freiberufler, Bürogemeinschaften. |
| Was ist eine OHG (Offene Handelsgesellschaft)? | Personengesellschaft nach §§ 105 ff. HGB. Mindestens 2 Gesellschafter. Alle haften unbeschränkt persönlich und gesamtschuldnerisch. HR-Eintrag Pflicht. Alle Gesellschafter sind zur Geschäftsführung berechtigt und verpflichtet. Typisch für Handelsunternehmen. |
| Was ist eine KG (Kommanditgesellschaft)? | Personengesellschaft nach §§ 161 ff. HGB. Mindestens ein Komplementär (unbeschränkte Haftung, Geschäftsführung) und mindestens ein Kommanditist (Haftung nur bis Kommanditeinlage, keine Geschäftsführung). HR-Eintrag Pflicht. |
| Was ist der Unterschied zwischen Komplementär und Kommanditist? | Komplementär: Vollhafter in einer KG, haftet mit gesamtem Privatvermögen, führt das Unternehmen. Kommanditist: Teilhafter, haftet nur bis zur Höhe seiner Einlage, hat kein Mitspracherecht bei Geschäftsführung, aber Kontrollrechte. |
| Was ist eine GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung)? | Kapitalgesellschaft nach GmbHG. Mindestkapital 25.000 EUR (mind. 12.500 EUR bei Gründung einzuzahlen). Gesellschafter haften nur bis zur Höhe ihrer Einlage. HR-Eintrag Pflicht. Organe: Gesellschafterversammlung + Geschäftsführer. Häufigste Rechtsform in Deutschland. |
| Was ist eine UG (Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt)? | Sonderform der GmbH seit 2008 ("Mini-GmbH"). Mindestkapital: 1 EUR (symbolisch). Muss 25% des Jahresgewinns als Rücklage thesaurieren, bis 25.000 EUR erreicht sind (dann Umwandlung in GmbH möglich). Geeignet für Gründer ohne Startkapital. |
| Was ist eine AG (Aktiengesellschaft)? | Kapitalgesellschaft nach AktG. Mindestgrundkapital 50.000 EUR. Haftung der Aktionäre auf Einlage beschränkt. Organe: Hauptversammlung (Aktionäre), Aufsichtsrat (Kontrolle), Vorstand (Leitung). HR-Eintrag Pflicht. Geeignet für große Unternehmen, Börsennotierung möglich. |
| Was sind die Organe einer AG? | Vorstand: Leitet das Unternehmen eigenverantwortlich, vertritt nach außen. Aufsichtsrat: Bestellt und kontrolliert den Vorstand, genehmigt wichtige Geschäfte. Hauptversammlung: Versammlung aller Aktionäre, beschließt Dividende, wählt Aufsichtsrat, entscheidet über Satzungsänderungen. |
| Was ist der Unterschied zwischen GmbH und AG? | GmbH: Mindestkapital 25.000 EUR, Gesellschafter (keine Aktien), Anteile nicht frei handelbar, nicht börsennotierbar, flexibler. AG: Mindestkapital 50.000 EUR, Aktionäre (Aktien), Aktien frei handelbar, börsennotierbar, komplexere Governance (Dreiorgansystem). |
| Was ist eine GmbH & Co. KG? | Mischform: Kommanditgesellschaft, bei der der Komplementär keine natürliche Person, sondern eine GmbH ist. Vorteil: Haftungsbeschränkung wie bei GmbH, aber steuerlich als Personengesellschaft (Gewinne direkt bei Gesellschaftern). Beliebt bei mittelständischen Familienunternehmen. |
| Was bedeutet gesamtschuldnerische Haftung? | Alle Gesellschafter haften für die gesamte Schuld. Der Gläubiger kann sich den leistungsfähigsten Schuldner heraussuchen und von ihm den vollen Betrag verlangen. Innenausgleich zwischen den Schuldnern ist deren Sache. Typisch für GbR und OHG. |
| Was ist Mindestkapital und wozu dient es? | Gesetzlich vorgeschriebenes Startkapital, das Gläubiger schützen soll: GmbH 25.000 EUR, AG 50.000 EUR. Kein Mindestkapital bei Personengesellschaften und Einzelunternehmen. UG: 1 EUR (symbolisch, daher Pflicht zur Gewinnrücklage). |
| Was ist der Unterschied zwischen Eigentümer und Geschäftsführer? | Eigentümer (Gesellschafter/Aktionär): Trägt das wirtschaftliche Risiko, hat Anspruch auf Gewinn. Geschäftsführer/Vorstand: Leitet das Unternehmen operativ, kann (muss aber nicht) Gesellschafter sein. Bei GmbH oft identisch. Bei AG trennt das Dreiorgansystem dies strikt. |
| Was ist das Handelsregister? | Öffentliches Register beim Amtsgericht, in das Kaufleute und Handelsgesellschaften eingetragen werden. Pflicht für OHG, KG, GmbH, AG. Schafft Publizität (Dritte können sich informieren) und Vertrauensschutz (eingetragene Fakten gelten als bekannt). |
| Was ist der Unterschied zwischen Innen- und Außenhaftung? | Außenhaftung: Was Gläubiger direkt von Gesellschaftern fordern können (persönlich = OHG/GbR, begrenzt = GmbH/AG). Innenhaftung: Was Gesellschafter untereinander ausgleichen müssen (Verlustbeteiligung, Nachschüsse). Wichtig z.B. bei gesamtschuldnerischer Haftung für den Innenausgleich. |
| Was ist eine eingetragene Genossenschaft (eG)? | Gesellschaft zur Förderung ihrer Mitglieder durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb. Jedes Mitglied hat eine Stimme (Demokratieprinzip). Typisch: Wohnungsbaugenossenschaften, Raiffeisenbanken (Volksbanken), Edeka. Haftungsbeschränkung möglich. |
| Was ist eine Partnerschaftsgesellschaft (PartG)? | Sonderform für freie Berufe (Ärzte, Anwälte, Steuerberater, Architekten) nach PartGG. Ähnlich OHG, aber nur für Freiberufler. PartG mbB: Haftung für Berufsausübungsfehler auf Gesellschaftsvermögen und den handelnden Partner beschränkt. |
| Welche Kriterien entscheiden über die Rechtsformwahl? | Haftung (unbegrenzt oder begrenzt?), Kapital (Mindestkapital vorhanden?), Leitungsbefugnis (Alleinentscheidung oder Mitsprache?), Finanzierung (Kapitalbedarf, Kreditwürdigkeit), Steuern (Personen- vs. Körperschaftsteuer), Nachfolge, Außenwirkung (Image, Vertrauenswürdigkeit). |
| Was ist der Unterschied zwischen Personengesellschaft und Kapitalgesellschaft steuerlich? | Personengesellschaften (GbR, OHG, KG): Gewinne werden direkt bei den Gesellschaftern mit Einkommensteuer besteuert (Transparenzprinzip). Kapitalgesellschaften (GmbH, AG): Unterliegen Körperschaftsteuer (15%) + Solidaritätszuschlag auf Unternehmensebene; Ausschüttungen dann noch Kapitalertragsteuer. |
Häufige Fragen
Welche Rechtsform ist für ein kleines Startup am besten geeignet?
Oft die UG (haftungsbeschränkt): Mindestkapital ab 1 EUR, Haftungsbeschränkung wie bei GmbH, niedrige Gründungskosten. Sobald 25.000 EUR Rücklagen angespart sind, kann die UG in eine GmbH umgewandelt werden. Alternativ: GmbH direkt bei vorhandenem Kapital für mehr Seriosität.
Warum wählen viele mittelständische Unternehmen die GmbH & Co. KG?
Sie verbindet steuerliche Vorteile der Personengesellschaft (Gewinne direkt bei Gesellschaftern besteuert, keine Körperschaftsteuer auf Unternehmensebene) mit der Haftungsbeschränkung einer Kapitalgesellschaft (GmbH als Komplementär haftet nicht persönlich). Beliebt in Familienunternehmen.
Was unterscheidet die GmbH-Geschäftsführung von der AG-Vorstandsarbeit?
GmbH-Geschäftsführer ist weisungsgebunden gegenüber der Gesellschafterversammlung. AG-Vorstand leitet eigenverantwortlich und ist nicht weisungsgebunden (nur Aufsichtsrat kann ihn kontrollieren). AG-Vorstand hat mehr Unabhängigkeit aber auch mehr Verantwortung.