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Medikamentenlehre – Karteikarten Pflegeausbildung

Die sichere Medikamentengabe gehört zu den verantwortungsvollsten Aufgaben in der Pflege. Diese Karteikarten decken die Grundlagen der Medikamentenlehre für die Pflegeausbildung ab: Applikationsformen, häufige Wirkstoffklassen, Recht der Medikamentengabe und die 5-R-Regel zur Fehlerprävention.

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Medikamentenlehre in der Pflege: Sicherheit durch Wissen

Medikationsfehler gehören zu den häufigsten vermeidbaren Schäden im Gesundheitswesen. Professionelles Pflegepersonal reduziert dieses Risiko durch systematisches Vorgehen.

  • Die 5-R-Regel (oder 6-R): Richtiger Patient, richtiges Medikament, richtige Dosis, richtige Zeit, richtiger Applikationsweg. Sechstes R: richtige Dokumentation. Diese Regel ist in jeder Pflegeprüfung präsent und im Berufsalltag unverzichtbar.
  • Applikationsformen: Oral (Tabletten, Kapseln, Lösungen), sublingual (unter der Zunge), bukkal (Backentasche), rektal (Suppositorien), transdermal (Pflaster), inhalativ, parenteral (i.v., i.m., s.c., i.d.). Lerne Vor- und Nachteile jeder Route.
  • Rechtliche Grundlagen: Arzneimittelgesetz (AMG), Betäubungsmittelgesetz (BtMG) für Opioide, ärztliche Anordnung als Voraussetzung. Delegation der Medikamentengabe an Pflegekräfte ist rechtlich geregelt; eigenständige Verordnung durch Pflegepersonal ist in Deutschland nicht erlaubt.
  • Betäubungsmittel: BtM-Pflicht: getrennte Lagerung in verschlossenem Schrank, BtM-Buch mit Eintragungen bei jeder Entnahme, Vier-Augen-Prinzip beim BtM. Reste müssen dokumentiert und vernichtet werden.

Fehler bei der Medikamentengabe müssen sofort gemeldet (CIRS-System, Critical Incident Reporting System), dokumentiert und dem Arzt mitgeteilt werden. Vertuschung ist rechtlich und ethisch inakzeptabel.

Alle Karten in diesem Set

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Was ist die 5-R-Regel bei der Medikamentengabe? Richtiger Patient, richtiges Medikament, richtige Dosis, richtige Zeit, richtiger Applikationsweg. Manche Konzepte ergänzen: richtiger Grund und richtige Dokumentation (6-R oder 7-R-Regel).
Was ist der Unterschied zwischen Wirkstoff und Handelsname? Wirkstoff (INN, International Nonproprietary Name): standardisierter chemischer Name, z.B. Paracetamol. Handelsname: Herstellerbezeichnung, z.B. Paracetamol Ratiopharm, Benuron. In der Pflege: immer Wirkstoff kennen, nicht nur Handelsnamen.
Welche Applikationswege sind in der Pflege relevant? Oral (p.o.), sublingual (s.l.), rektal (p.r.), transdermal (Pflaster), inhalativ, subkutan (s.c.), intramuskulär (i.m.), intravenös (i.v.), intradermal (i.d.). Jeder Weg hat unterschiedliche Resorptionsgeschwindigkeit und Bioverfügbarkeit.
Was muss bei der Verabreichung von Betäubungsmitteln (BtM) beachtet werden? BtMG: getrennte Aufbewahrung im gesonderten, verschlossenen Schrank. BtM-Buch: jede Entnahme sofort eintragen (Menge, Patient, Zeitpunkt, Signatur). Vier-Augen-Prinzip bei Entnahme und Resten. Restmengen müssen vernichtet und dokumentiert werden.
Was sind Antikoagulanzien und warum sind sie in der Pflege besonders überwachungsbedürftig? Gerinnungshemmer: Heparin, Marcumar (Phenprocoumon), direkte orale Antikoagulanzien (DOAK: Rivaroxaban, Apixaban). Überwachung: Blutungszeichen (Hämatome, Petechien, schwarzer Stuhl, verlängerte Blutungszeit), INR/Quick bei Marcumar.
Was bedeutet "p.o." und "i.v." bei der Medikamentengabe? p.o. = per os (oral, durch den Mund). i.v. = intravenös (direkt in die Vene). Weitere Abkürzungen: s.c. = subkutan, i.m. = intramuskulär, p.r. = per rectum, s.l. = sublingual, i.d. = intradermal.
Was ist eine Kontraindikation? Ein Umstand, bei dem ein Medikament nicht gegeben werden darf (Gegenanzeige). Absolut: darf unter keinen Umständen gegeben werden. Relativ: Nutzen-Risiko-Abwägung nötig. Pflege: immer Kontraindikationen vor Gabe prüfen.
Was sind Diuretika und was muss bei ihrer Gabe beachtet werden? Harntreibende Medikamente (z.B. Furosemid). Indikation: Herzinsuffizienz, Ödeme, Hypertonie. Pflege: Flüssigkeitsbilanz, Elektrolyte überwachen (Kaliummangel), Sturzrisiko durch Harndrang, Blutdruck kontrollieren.
Was ist Insulin und welche Formen gibt es? Insulin senkt den Blutzucker. Applikation: subkutan (Pen oder Spritze). Formen: Kurzwirksames Insulin (Bolus zu Mahlzeiten, Wirkbeginn nach 15–30 Min.), langwirksames Insulin (Basal, 24h). Kontrolle: Blutzucker vor und nach Gabe, Hypoglykämiezeichen.
Was sind Anzeichen einer Hypoglykämie? Blutzucker < 70 mg/dl. Symptome: Zittern, Schweißausbruch, Blässe, Herzklopfen, Hunger, Konzentrationsstörungen, Verwirrung bis Bewusstlosigkeit. Maßnahme: schnell wirkende Kohlenhydrate (Traubenzucker), bei Bewusstlosigkeit: Glukose i.v. (Arzt), kein orales Essen.
Was ist der Unterschied zwischen oraler und parenteraler Ernährung/Medikamentengabe? Oral (enteral): Aufnahme über den Verdauungstrakt (Mund, Magensonde). Parenteral: Umgehung des Verdauungstrakts, direkt in die Blutbahn (i.v.). Parenteral: schnellerer Wirkungseintritt, kein First-Pass-Effekt, aber höheres Infektionsrisiko.
Was ist eine Anaphylaxie und wie handelt die Pflege? Lebensbedrohliche allergische Reaktion. Symptome: Urtikaria, Angioödem, Bronchospasmus, Blutdruckabfall, Tachykardie, Bewusstlosigkeit. Sofortmaßnahmen: Allergen stoppen, Notruf, Adrenalin (ärztliche Anordnung), Schocklagerung, O2-Gabe, i.v.-Zugang.
Was ist ein Wirkstoffspiegel-Monitoring (TDM) in der Pflege? Pflegerelevant bei Medikamenten mit enger therapeutischer Breite (Digoxin, Antiepileptika, Aminoglykoside): Blutabnahme zum richtigen Zeitpunkt (Talspiegel: kurz vor nächster Dosis; Spitzenspiegel: kurz nach Gabe), korrekte Beschriftung, Transport ins Labor.
Was ist eine enterale Sonde und welche Medikamente dürfen nicht zerkleinert werden? Magensonde oder PEG-Sonde. NICHT zerkleinern/mörsern: Retardtabletten (kontrollierte Freisetzung), magensaftresistente Kapseln (würden im Magen zerstört), Sublingualtabletten. Zerkleinern kann Wirkung verändern oder toxisch machen.
Was ist ein Antidot? Gegenmittel bei Überdosierung oder Vergiftung. Wichtige Paare: Heparin → Protamin, Marcumar → Vitamin K, Opioide → Naloxon, Benzodiazepine → Flumazenil, Paracetamol-Überdosierung → N-Acetylcystein.
Was sind Protonenpumpenhemmer (PPI) und wann werden sie in der Pflege verabreicht? PPI (z.B. Omeprazol, Pantoprazol) hemmen die Magensäureproduktion. Indikation: Magenschutz bei NSAR-/Kortisontherapie, Ulkus, GERD. Gabe: nüchtern vor dem Frühstück (verbessert Wirksamkeit). Häufige Langzeitanwendung: Mg2+-Spiegel kontrollieren.
Wie wird ein Medikationsfehler korrekt gehandhabt? Sofort Arzt informieren, Patienten beobachten (Symptome dokumentieren), vollständige Dokumentation des Fehlers, Meldung im CIRS-System (anonymes Incident-Reporting), ggf. Gegenmittel/Maßnahmen nach ärztlicher Anordnung. Nie vertuschen.
Was ist der Unterschied zwischen Tablette, Kapsel und Dragée? Tablette: gepresste feste Arzneiform. Kapsel: Hart- oder Weichgelatinehülle mit Pulver/Granulat/Flüssigkeit. Dragée: zuckerbeschichtete Tablette (Schutz vor Magensäure oder Geschmackskorrektur). Kapseln und Dragées oft nicht zerteilbar.
Was ist eine transdermale Applikation? Resorption des Wirkstoffs durch die Haut. Typisch: Schmerzpflaster (Fentanyl, Buprenorphin), Nikotin-Pflaster, Nitratpflaster. Pflege: altes Pflaster entfernen und dokumentieren bevor neues aufgeklebt wird, Hautstelle wechseln, Händewaschen nach Kontakt.
Was sind Kortikosteroide und was muss die Pflege beachten? Synthetische Kortisol-Analoga (z.B. Prednisolon, Dexamethason). Wirkung: antientzündlich, immunsuppressiv. Nebenwirkungen bei Langzeitgabe: Cushing-Syndrom, Osteoporose, Hyperglykämie, Infektanfälligkeit, Magenulkus. Nie abrupt absetzen (ausschleichen).
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Häufige Fragen

Darf Pflegepersonal Medikamente selbstständig verordnen?

Nein. In Deutschland ist die Verordnung von Arzneimitteln ausschließlich Ärzten vorbehalten. Pflegepersonal verabreicht nach ärztlicher Anordnung. Ausnahme: Notfallsituationen mit vorbereiteten Notfallmedikamenten nach Protokoll.

Was ist die häufigste Fehlerquelle bei der Medikamentengabe?

Häufige Fehler: verwechselter Patient, falsche Dosis, falscher Zeitpunkt, vergessene Kontraindikationen, falsche Applikationsform, fehlende Dokumentation. Die 5-R-Regel reduziert diese Risiken systematisch.

Wie werden Betäubungsmittel in der Pflege gesichert aufbewahrt?

Nach BtMG: in einem gesonderten, doppelwandig gesicherten Schrank, der nur befugtem Personal zugänglich ist. Jede Entnahme im BtM-Buch dokumentieren (Datum, Uhrzeit, Patient, Menge, Signatur der abgebenden und kontrollierenden Pflegekraft). Bestand täglich kontrollieren.

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